Wie Kinder das Teilen lernen

Als Elternteil geht einem doch das Herz auf, wenn der kleine Sohnemann bereitwillig seine Sachen an seinen Spielgefährten überreicht. Genauso schnell spricht man aber auch immer von „schlechter Erziehung“ und Egoismus, wenn ein Kind nicht zum Teilen bereit ist. Da wird dann klar getrennt: Was meins ist, ist nicht deins! Ja, Kinder sind Egoisten. Wieso dieses Verhalten aber völlig normal und gut ist, lässt sich relativ leicht erklären!

Die kindliche Entwicklung – Empathie wächst mit dem Kind

Dein Nachwuchs hat in der Anfangszeit noch gar kein Gefühl dafür, dass es ein „mein“ und „dein“ gibt. Kinder zwischen 1 und 3 Jahren sind selbstbezogen. Es ist also ganz normal, dass es nicht gerne teilen möchte. Es ist quasi ein angeborener Instinkt. Zurückzuführen ist das noch auf die Steinzeit. Denn wie es schlicht und einfach ist, wer mehr hat, hat auch größere Überlebenschancen. Mag heute meistens nicht mehr nötig sein, ist aber eben von der Natur so vorgesehen. Jemand der gerade sich selbst kennenlernen muss, hat keine Augen für jemand anderen.

Ein kleiner Mensch definiert sich noch hauptsächlich über die Sachen, die er hat. Sie sind quasi wie ein Teil von ihm. Daher tut es ihm tatsächlich sehr weh, wenn es seine Puppen oder Förmchen an jemand anderen abgeben muss. Es ist so, durch Studien bewiesen, dass die Bereitschaft zum Teilen mit dem Alter steigt. Dein Kind muss erstmal lernen sich in andere Personen hineinzuversetzen. Zum Teilen gehören vor allem Empathie und ein Gefühl für Gerechtigkeit. Das ist alles Teil des Sozialverhaltens, welches innerhalb einer Gruppe erst erlernt werden muss. Deine Maus merkt mit der Zeit, dass man sich durchaus beliebter macht, wenn man seine Spielsachen abgibt.

Wie kannst Du Deinem Kind beim Teilen helfen?

  1. Es ist wichtig, dass Du Dein Kind nie dazu zwingst. Mal ehrlich, Dir würde es auch nicht gefallen, wenn man Dir vorschreibt, mit wem du etwas zu teilen hast. Es gehört Dir und Du möchtest gefragt werden. Das gleiche Recht solltest Du auch Deinem Kind einräumen. Dadurch lernt es auch etwas sehr Wichtiges. Wenn es etwas nicht teilen muss, dann kann man es auch nicht von anderen verlangen. Es entsteht der Respekt gegenüber dem persönlichen Besitz. Wenn Dein Kind frei über seine Sachen entscheiden kann, wird es tatsächlich zukünftig großzügiger mit seinem Besitztümern umgehen.

  2. Bestechung ist auch ein schlechter Weg das Teilen zu erlernen. Es mag in der Situation vielleicht sehr gut funktionieren. Der Reiz für einen Lolli erscheint gegenüber eins der 100 Buddelförmchen durchaus groß. Sobald die Belohnung aber wegfällt, wird sich das auch auf die Motivation auswirken.

  3. Rede mit Deinem Spatz über seine Gefühle. Warum möchte er etwas denn nicht hergeben? Ist er noch nicht fertig, damit zu spielen, oder hat er Angst, dass es jemand kaputt machen könnte? Dabei lernt Dein Kind seine Probleme in Worte zu fassen, ohne dafür verurteilt zu werden. Außerdem kannst Du ihm vielleicht gewisse Ängste einfach nehmen, indem Ihr darüber redet. Du kannst es zum Beispiel fragen, ob es dem anderen Kind eine Alternative anbieten könnte? Ansonsten wird das zweite Kind, so gut es geht, getröstet, nicht selten findet dieser Konflikt nämlich auch zwischen Geschwistern statt. Übrigens ist der Mythos, dass Einzelkinder schlechter teilen können, falsch. Sie möchten es sogar meistens. Unter Geschwistern muss man seine Sachen viel mehr verteidigen!

  4. Mach es Deinem Kind vor! Wenn Du als großes Vorbild gerne auch mal Deine Sachen abgibst, merkt Dein Kind, was für einen positiven Effekt das hat. Für ihn ist dann schließlich auch ein Glückserlebnis, wenn es etwas von Deinem Nachtisch abbekommt oder mal an Deiner Eiskugel lecken darf.

  5. Mit einer guten Vorbereitung schaffst Du es, jede heikle Situation zu entschärfen. Du kannst Dir zum Beispiel einen eigenen kleinen Spielzeugvorrat anlegen, der nur Dir gehört. Wenn es dann auf den Spielplatz geht, nimmst Du einfach ein paar Deiner eigenen Förmchen mit. Kommt es dann dazu, dass Dein Kind auf gar keinen Fall etwas abgeben möchte, bietest Du einfach etwas von Dir an. Problem gelöst!

So wichtig es ist, mit anderen Menschen zu teilen, genauso wichtig ist es, für seine eigenen Sachen eintreten zu können. Letztendlich sollte die Entscheidung, was man abgeben möchte, immer bei einem selbst liegen.

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